Das Motto von großen Tagestouren könnte sein: „Spätestens wenn der Weg zurück zum Ausgangspunkt weiter ist, als bis zum Ziel durchzuhalten, stellt sich ein Gefühl von Abenteuer ein.“

Und dieses Gefühl von Abenteuer ist das, was wir suchen.  Dafür planen wir lange Rundtouren oder Überschreitungen, die uns während der Tour fordern und am Ende glücklich machen.

Für diese großen Tagestouren ist es wichtig, dass man sich viel – vielleicht auch auf den ersten Blick zu viel – zutraut und mit großen Plänen daher kommt. Denn der wichtigste Schritt ist es, sich ein Ziel zu setzen. Hat man seinen Traum oder sein Ziel vor Augen heißt es abwarten, bis es an der Zeit ist, den Plan in die Tat umzusetzen.

Bei Skitouren ist es wichtig zu verstehen, dass man auf den passenden Schnee und die richtigen Wetterverhältnisse warten muss. Denn im Winter sind die Gefahren, besonders durch Lawinen, größer als im Sommer und die Temperaturen nehmen viel mehr Einfluss auf die Tour. Was an einem sonnenreichen Tag eine Traumtour ist, kann bei Wind und Kälte ein Alptraum werden.

Diesen Winter haben wir mit einer guten Mischung aus Motivation und Ausdauer etwas mehr als 40 Skitouren absolviert. Und drei davon kann man als perfekte Kombination aus lang, anspruchsvoll und erinnerungswürdig bezeichnen.

Sie zählen nicht zu den Standardtouren, waren logistisch aufwändiger und hatten alle um die 2000hm. Und um ganz offen zu sein, es geht uns in der Regel beim Skitouren eher um guten Schnee als um das Abhaken von Gipfeln. Das bedeutet, dass wir oft lieber in ein schattiges Kar, als zu einem namhaften Gipfel laufen.

Folgende Touren wollten schon seit einigen Jahren abgehakt werden und sind nun im Winter 2021 möglich gewesen:

Tour Nr. 1

Die Paradetour war die Überschreitung der Nagelfluhkette.

Die Nagelfluhkette ist eine, den Allgäuer Hochalpen vorgelagerte Bergkette, die im Sommer viel besucht und gerne „durchwandert“ wird. Im Winter ist diese Tour, vor allem wenn die Hochgratbahn nicht in Betrieb ist, eine konditionell anspruchsvolle Skitour. In unserer Variante wurden sechs Mal die Felle wieder aufgezogen und sieben Gipfel erklommen. Besonders empfehlen kann man die Tour bei Neuschnee, da die Abfahrten alle Nord- bzw. Ostseitig sind und man in den sogenannten „Schläuchen“ – also Mulden, die sich von den Gipfel nach unten ziehen – wunderbaren Pulver findet.

2200 Höhenmeter, 9 Stunden in Bewegung, ein Traum zum Fotografieren.

Tour Nr. 2

Skifahrerisch anspruchsvoller ist die Rubinger Haute Route. Dabei geht es einmal rund ums Rubihorn. Bei dieser Tour sind sowohl die Aufstiege, als auch die Abfahrten in Bezug auf Sicherheit und Schwierigkeit fordernder. Dafür findet man steile Nordhänge und kaum Menschen. Die Aufstiege sind lang und die Felle werden viermal auf- und abgezogen.

1800 Höhenmeter, 4 Abfahrten, strahlender Sonnenschein, aber eiskalte Windböen.

Tour Nr. 3

Mit nur zweimal auf- und abfellen, ist unsere Königstour ins Schwarzwassertal auf den ersten Blick eine humane Tour. Aber sie beinhaltet neben 20km Radfahren und 2000 Höhenmetern auch den unangenehmsten Anstieg.

Mit dem Rad fährt man früh morgens ins Hintersteiner Tal und steigt vom Giebelhaus, über die Prinz-Luitpold-Hütte Richtung Glasfelderkopf auf. Vom höchsten Punkt der Tour fahren wir die Bockkarscharte, einen 1000hm Hang, bei feinstem Pulverschnee hinab ins verlassene Schwarzwassertal.

Aus dem Schwarzwassertal führen zwei Wege hinaus. Entweder kann man 16km in der Ebene nach Tirol hinaus queren, oder man überwindet nochmals 800 – unheimlich unangenehme steile – Höhenmeter, um über eine weitere Scharte wieder ins Hintersteiner Tal zu gelangen.

2000 Höhenmeter, 20km Radfahren, nach einer Woche ohne Schneefall noch Pulver.

Wir haben festgestellt, dass es bei solchen Touren den besonderen Reiz ausmacht, wenn man den „Point of no return“ überschreitet – wenn man weiß, dass der Rückweg weiter ist, als es einfach bis zum Ende durchzuziehen.

Im Falle der Nagelfluhkette war es für den Kopf noch sehr einfach, da man im Notfall, oder bei einem plötzlichen Wetterumschwung, noch irgendwie abkürzen könnte. Bei einer Tour wie der Abfahrt über die Bockkarscharte hat der Kopf einiges mehr zu tun – denn hier hinten ist man wirklich weit weg von der Zivilisation und eine Exitstrategie dauert egal in welche Richtung immer mehrere Stunden.

Somit sind solche Touren, wenn auch vielleicht konditionell gar nicht so fordernd, oftmals anstrengender, weil man viel mehr „Eventualitäten“ bedenken muss und sich stärker mit seinem physischen Können auseinandersetzen muss. Wenn man mal in diesem Tal steht, 1.000 Höhenmeter Abfahrt hinter sich, muss man definitiv auch wieder aufsteigen können. Sicherlich keine Tour für jedermann und auch nicht für jeden Tag. Doch genau das macht den Reiz aus und bringt uns dazu, uns immer wieder auf neue Touren und Abenteuer einzulassen.

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