Alle sechs Monate sind wir in Portugal und besuchen unsere Nähereien und Stoffhersteller.

Das machen wir aus zwei Gründen:  Einerseits ist es sehr wichtig vertrauensvolle Partnerschaften aufzubauen und das ist etwas, das vor Ort viel intensiver möglich ist, als via E-Mail und Skype. Und ein zweiter wichtiger Grund, der es unverzichtbar macht vor Ort zu sein ist es, dass Fragen beantwortet werden, die man nicht gestellt hat. Denn in einem Nebensatz werden häufig die Fragen beantwortet, die man nie formuliert hätte.

So sind wir zum Beispiel mit unserer Denim-Näherei zufällig auf das Thema Outdoorjacken aus Organic Cotton gekommen. Wir suchen seit langem einen passenden Stoff, konnten aber bis jetzt kein passendes Gewebe „made in Europe“ finden.  Dank einer Vermittlung auf dem kleinen Dienstweg hatten wir spontan einen Tag später einen Termin bei einer Weberei in Portugal.

Die Weberei

Vor Ort bei der Weberei hatte sich herausgestellt, dass wir es mit einer der größten Webereien Portugals zu tun haben. Denn neben dem Bekleidungssektor, sind sie Zulieferer für Mercedes und BMW und weben in großen Auflagen alles was in einem Auto aus Stoff sein kann, dazu gehören zum Beispiel Sitzbezüge und Türblenden.

Durch die Größe der Firma stellte sich unsere Ankunft etwas aufwendiger dar, als gedacht. An der Pforte wird eifrig unser Ansprechpartner gesucht und anschließend werden wir der Einfachheit halber mit einer Autoeskorte zum richtigen Tor gelotst.

Der Bereich „Fashion Textil“ ist sehr stilvoll und unsere Ansprechpartnerin macht es uns einfach, denn sie spricht fließend Deutsch und führt uns durch die großen lärmenden Hallen voller Webstühle.

Die Qualitäten für unsere Jacken sind zu unserem Erstaunen sehr schnell gefunden. Es scheint als hätten wir einen Volltreffer gelandet. Zum Thema Organic Cotton warnt sie uns vor, dass man derzeit nur schwer die Preise abschätzen kann. Die Nachfrage steigt seit Jahren und die Preise tun das auch. Unsere Reaktion darauf, „dass dies schön zu hören ist“ hat sie allerdings etwas verwundert. Wir sind wohl die Ersten, die sich freuen, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt. Dafür nehmen wir auch einen Anstieg der Preise gerne in Kauf. Letztendlich soll unser Meinung nach BIO das neue NORMAL werden und langfristig wird sich ein Preis finden, der die realen Kosten abdeckt.

Solche großen Firmen arbeiten sehr gerne auch mit kleinen Unternehmen wie uns zusammen. Wir bringen ein schnelles Feedback und man wächst gerne von klein auf mit. Grundsätzlich werden hier zwar Bestellungen erst ab 5000 Metern angenommen, aber in reinweiß gibt für kleinere Brands immer Lagerware und diese können wir mit einer Färberei entweder vor oder nach dem Nähen einfärben lassen.

Die Färberei 

Eine derartige Färberei  besuchen wir in unserem nächsten Termin.

Von der Größenordnung sind wir nun wieder auf einem etwas kleineren Gelände als beim Autozulieferer. Unsere Tour durch die heiligen Hallen ist aber mindestens ebenso ausführlich. Wir dürfen unsere Nasen in die großen Waschzuber stecken, in denen jeweils 100kg Stoff auf einen Schlag gefärbt werden.

Nächster Stopp sind die hauseigenen Kläranlagen. Das ist einer meiner Lieblingspunkte, welcher sehr gut erklärt warum wir in Europa unsere Stoffe herstellen lassen. Die Abwässer müssen und werden in europäischen Ländern mit vorbildlichen Methoden gereinigt und die umliegenden Bäche und Flüsse sind nicht zur Hochsaison rot, grün oder gelb eingefärbt.

Anschließend geht es in Farblabor. Hier werden im Kleinen die Farben zur Freigabe angemischt. Immer wenn wir einen Stoff bestellen, suchen wir uns vorab auf einer Pantone-Farbkarte unseren Wunschfarbton aus. Jeder Farbton hat eine Nummer und ein genau bestimmtes Mischverhältnis. Ein Roboter übernimmt hier die genau Zusammensetzung aus den bis zu 64 Farbentönen und rührt das ganze in kleiner Menge an. Anschließend wird ein weißes Musterstück eingefärbt und uns zur Freigabe geschickt.    

Geben wir die Farbe frei wird der ganze Prozess in einer etwas größeren Dimension wiederholt und all unsere Stoffrollen werden gefärbt, getrocknet und gegebenenfalls mit einem Finish veredelt.

Die Strickerei

Jede Strickerei hat ihren eigenen Stil mit Garnen etwas zu erschaffen. Die einen lieben es leichte Stoffe zu stricken, die Nächsten sind spezialisiert in Oberflächenstrukturen und wieder Andere arbeiten fast ausschließlich mit funktionellen Garnen. Unser Job ist es, das Besondere zu finden und zu wissen, wie ein Stoff am fertigen Kleidungsstück aussieht und fällt.

Was wir in Portugal besonders schätzen ist, dass die meisten Firmen nicht riesig sind. Bzw. die Firmen, die wir uns rauspicken, sind es nicht. Wir arbeiten gerne mit kleinen Familien-Unternehmen zusammen. Oft ist es so, dass die Firmen schon seit 40 Jahren Stoffe herstellen und nun die zweite Generation gerade mit frischen Ideen nachrückt.

Eine Reise zu unseren Stoffherstellern und Nähereien ist auch immer eine Zeit der Inspiration, die vielen neuen Möglichkeiten lösen im Hinterkopf viele neue Ideen aus und in der Regel halten wir 6 Monate später, bei unserem nächsten Besuch, ein neues Produkt in den Händen, welches ohne den Besuch vor Ort nicht entstanden wäre.

Ach, und wer denkt, die Zwei Reisen ja nur wegen dem schönen Wetter nach Portugal, der sollte sich unser Titelbild nochmals genauer ansehen. Wir sind sowas wie die absoluten Pechvögel was Wetter in Portugal anbelangt. 

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