Ein Schritt nach dem anderen. Es geht über Felsen, durch Moorlandschaften, an Seen und kleinen roten Jagdhütten vorbei. Es scheint, als würde es darum gehen, die Stille zu geniessen und tief durchzuatmen. Ein bisschen wie im Werbeprospekt. Im Norwegischen Fjell  ist das zu unserem Glück nicht nur erträumt, sondern wirklich Realität.

Wir sind auf einer Hochebene in der Nähe der viertgrößten Stadt des Landes, Stavanger. Bis jetzt haben wir noch keine Menschenseele getroffen. Das mag sicher daran liegen, dass es Anfang September ist und hier die Sommerferien mittlerweile schon seit einigen Wochen vorbei sind. Zudem es ist unter der Woche. Aber in Norwegen ist grundsätzlich weniger los, als in unseren heimischen Alpen. Die Berge fordern hier, da die Wege weniger markiert und gepflegt sind, mehr Eigenverantwortung und Erfahrung. Was wiederum – bis auf wenige bekannte Strecken zu Aussichtspunkten – weniger Tagestouristen lockt und die Berge für eingeschworene Wanderer freihält.  Unser Ziel heute ist eine kleine Selbstversorgerhütte mitten im Nirgendwo.

Bei der Entwicklung von neuen Produkten haben wir immer im Kopf wie und wo wir diese einsetzen wollen. Bei unseren langen Outdoorhosen war tief in uns der Gedanke, diese Hosen im Hohen Norden zu tragen. Durch das Fjell zu wandern, kilometerlang über nasse Moore und trockene Holzstege. Dieses Bild begleitete uns beim Designen und Entwickeln.

Und eben dieses Bild zog uns diesen Herbst nach Norwegen. Norwegen ist in unserem Kopf das ultimative Outdoorland. Es ist unschlagbar in Bezug auf einzigartige Landschaften, Einsamkeit und Weite. Das norwegische Fjell, also die Landschaft oberhalb der Nadelwaldgrenze ist ein Traumgebiet, wenn man Ruhe und Wildnis sucht. Und auf dem Weg dorthin durchquert man unterschiedliche Vegetationszonen und kann sich zur richtigen Jahreszeit noch mit Frühstück eindecken.

Der Norwegische Wanderverein DNT betreibt in der weitläufigen Landschaft ein beeindruckendes Hüttennetzwerk und anders als bei uns in den Alpen, ist ein Großteil der Hütten unbewirtschaftet. Das Konzept ähnelt der Idee der Winterräume in den Alpen, ist aber in der Regel etwas einladender und keineswegs rudimentär: Eine gut eingerichtete Küche sowie Brennholz und Gas sind immer vorhanden. Es gibt einige Mehrbettzimmer für Familien und ein großes Matratzenlager. Decken und Kissen finden sich selbstverständlich ebenfalls in den Hütten und sogar etwas elektrisches Licht kann die Zimmer erhellen – der Strom wird mit PV-Modulen direkt am Hüttendach erzeugt. Frischwasser zum Kochen holt man einfach im naheliegenden See oder am nächsten Fluss.

Besonders ist in Norwegen, dass die meisten der Hütten mit Proviant ausgestattet sind. Im Winter sind die ´Hütten mit Hilfe von Schneemobilen vergleichsweise einfach erreichbar und die Lager werden mit Konserven, Knäckebrot, Reis in Kochbeuteln, Kaffee und Tee aufgestockt. Genug Auswahl um sich ein paar Tage abwechslungsreich zu ernähren. Die Wanderer nutzen was sie brauchen und bezahlen direkt in der Hütte den aufgelisteten Betrag. So trägt sich der Rucksack leicht auf den Schultern und man hat nie die Sorge zu verhungern.

Ob man die Hütte für sich alleine hat oder mit anderen teilt, kommt ganz auf den Wochentag, die Jahreszeit und den Wetterbericht an. Auf Grund von Corona müssen die Hütten vorgebucht werden, normalerweise gilt die Regel „first come first served“ – mit dem Hinweis dass Familien und ältere Wanderer Vorrang haben.

Während wir über das Fjell zu unserem Ziel wandern, hoffen wir dass wir am Abend nicht alleine sein werden. Wir bauen darauf in der Hütte ein paar Norweger zu treffen.  Ein bedeutender Teil des Reisens ist für uns der Austausch mit vor Ort lebenden Menschen. Was wäre eine Reise, ohne mit Einheimischen gesprochen zu haben, etwas über das Land und die Eigenheiten der Bewohner dort zu erfahren?  Den besten Zugang hat uns bisher immer der Sport geschaffen – egal ob auf den Mountainbiketrails in Neuseeland oder während einer Bikepacking Tour in Bali. Sport bringt einen immer weg vom alltäglichen und dorthin wo das Echte zu finden ist.

Und so ist es auch dieses Mal. Nachdem wir die Hütte am späten Nachmittag erreichen und die ersten Stunden für uns alleine in dieser traumhaften Umgebung haben, kommen kurz vor Sonnenuntergang die beiden Fischer Christian und Anders an der Melans Gronahai Hütte an. Leicht schnaufend setzen sie sich, begrüßen uns freundlich auf Norwegisch um dann direkt auf perfektes Englisch zu wechseln. Sie haben eine anstrengende Tagesetappe hinter sich – typisch norwegisch haben sie nicht den markierten Pfad sondern einen alten Steig genutzt. In den norwegischen Karten sind im Gegensatz zu unseren Karten nicht nur die offiziell markierten Wege enthalten, sondern auch die kaum genutzten und vor allem nicht markierten Steige. Sie berichten von einem kleinen Bergsee bei dem sie am Vortrag beim Fischen waren. Den Fisch haben sie gestern schon verspeist  und den heutigen Tag sind sie durchgewandert. Da sie nun vier riesige Steaks auspacken  wird klar, dass die Müdigkeit nicht nur dem weglosen Gelände,  sondern auch ihren schweren Rücksäcken geschuldet ist. Bei Kerzenlicht unterhalten wir uns bis spät in die Nacht, erfahren viel über die norwegischen Gepflogenheiten und verkosten gemeinsam lokales Bier und deutschen Wein.

Für den Rückweg wählen wir ebenfalls einen der nicht markierten Wege und stellen fest, dass sogar ein kleiner Pfad erkennbar ist. Die Schafe scheinen den Pfad ebenfalls gerne zu nutzen und ihn im Gegenzug instand zu halten. Wir folgen dem Rand des Hochplateaus, laufen schweigend vor uns hin und lassen, für uns ungewohnt,  die Kamera im Rucksack. Genießen es einfach Schritt für Schritt durch die Landschaft zu spazieren.  So kann man die Gedanken gut schweifen lassen und sich vorstellen einfach immer weiter zu laufen. Von Hütte zu Hütte.

Schönes weites Norwegen.

Den Sommer noch im Kopf haben wir in Gedanken die langen Tage noch abgespeichert und können uns eigentlich nicht vorstellen, dass wir in die Dunkelheit kommen werden. Aber gleichzeitig haben wir mal wohlwissend, dass man sich derzeit leicht verschätzt, zwei Stirnlampen eingepackt.

Die Klettertour ist etwas alpin angehaucht - erst schlägt man sich weglos durch einen steilen Wald und Schrofen hinauf zum Einstieg durch. Das ist sehr typisch für den Zustieg zu einer Mehrseillängen Tour und wie immer istman nicht sicher, ob man hier überhaupt richtig ist, bis man den Standhaken samt Reepschnur aufblitzen sieht.

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