Ende März wird bei uns – geburtstagsbedingt – jedes Jahr ein neues Ausflugsziel gesucht. Während wir die letzten Jahre eher winterlich unterwegs waren, haben wir uns dieses Mal für einen Abstecher nach Italien entschieden. Für ein bisschen Dolce Vita, Meerblick und natürlich Mountainbike-Trails.

Italien ist in Bezug aufs Mountainbiken sehr vielfältig. Uns zieht es dabei sehr häufig ins Vinschgau. Vor allem wegen der guten Trails und den vielen Sonnenstunden ist das Vinschgau im Frühling und Herbst ein schönes Ziel für ein verlängertes Mountainbike-Wochenende. Als “Italien” geht das Vinschgau aber nicht so wirklich durch, dafür ist es doch zu deutschsprachig und dem Allgäu zu ähnlich. Wenn wir so richtig nach Italien fahren wollen, ist der Golf von Genua die richtige Adresse. Definitiv italienisch genug, mit sehr viel Sonne,  1 Euro Espresso und dem konstanten Blick aufs Meer.

Bisher haben wir immer die westliche Seite besucht, waren von Varazze über Finale bis Albenga auf den Trails unterwegs. Dieses Mal wollen wir etwas Neues testen und fahren Richtung Toskana. Da die tatsächliche Toskana für einen kurzen Abstecher aber doch etwas zu weit unten am Stiefel ist, entscheiden wir uns spontan für die toskanisch-ligurische Grenze.

Die Grenze zwischen Ligurien und der Toskana verläuft fast genau bei unserem ersten Ziel – Massa-Carrara. Auf die Region rund um die beiden kleinen Städte Massa und Carrara sind wir zufällig wegen eines Instagram-Posts einer Bekannten gestossen. Ines Thoma ist professionelle Mountainbikerin und hat gemeinsam mit ihrem Partner Max Schumann einen Artikel übers Biken in der Toskana geschrieben. Darin wird eben jene Region erwähnt und dies nehmen wir zum Anlass ein neues Mountainbike-Ziel zu erkunden. Zwei Wochen nach unserem Kurzausflug veröffentlichen die beiden ein eigenes Buch über die Toskana Trails. Wer also auch gerne eine neue Region mit dem Mountainbike erkunden möchte und noch nicht in der Toskana war, dem sei das Buch auf jeden Fall empfohlen.

Massa-Carrara hat sich als erster Stopp auf jeden Fall sehr gelohnt. Die Trails sind eine schöne Mischung aus natürlichen Wanderwegen und gebauten Enduro-Strecken und teilweise verläuft der Uphill auf gut bergauf zu tretenden Singletrails. Ausblicke hat man dabei immer wieder auf die Apuanischen Alpen und die dort beheimateten Marmorsteinbrüche. Bei der Anfahrt hatten wir aus der Ferne erst gedacht, dass tatsächlich Schnee läge, so weiß strahlte der Marmor. Erst aus der Nähe wurde uns klar, dass die gesamte Berglandschaft wirtschaftlich genutzt wird und dies wohl schon seit der Römerzeit.

Die Gegend rund um Massa-Carrara hätte auf jeden Fall ausreichend Potential, um dort auch mehrere Tage zu verbringen. Die Apuanischen Alpen stehen unseren Bergen in Bezug auf die Höhe nichts nach und neben den Wanderwegen und Berggipfeln gäbe es noch zahlreiche kleine Bergdörfer zu erkunden.

Nach zwei Tagen in Massa-Carrara fahren wir über die Grenze zurück nach Ligurien und an der Küste entlang in die berühmt-berüchtigten Cinque Terre. Während keiner unserer Freunde je mit dem Mountainbike dort gewesen ist, haben die Dörfer an der Küste einen ihnen vorauseilenden Ruf als sehr schöne, aber sehr touristische Ecke Italiens. Die Cinque Terre sind UNESCO-Weltkulturerbe und im Sommer werden die Dörfer von Besuchern überrannt, da zusätzlich zum Andrang vom Festland auch die Kreuzfahrtschiffe hier Station machen. Zurecht, wenn man den Anblick der sich an die Steilküste anschmiegenden Häuser kennt.

Wir halten uns vor allem auf den Hügeln oberhalb der Dörfer auf und entdecken eine schöne Panorama-Trailrunde, die uns ein Mal entlang des Bergrückens zurück zu unserem Startpunkt führt. Dazwischen bauen wir ein paar Abfahrtsmeter auf den Wanderwegen ein. Die Trails finden wir auf Trailforks und erwischen mit etwas Glück erst einen eingefahrenen Trail mit Meerblick und dann einen flowigen, kaum begangenen Wanderweg durch lichten Wald. Die Frühlingssonne hat schon viel Kraft, doch im Wald fühlt es sich mit dem ganzen Laub auf den Wegen fast herbstlich an. Auch hier fehlt eindeutig der Regen, der das ganze Braun in saftiges Grün verwandeln sollte. Erst als wir in unserer Unterkunft, hoch über der Küste, unser After-Ride Bier geniessen, kommt mit dem Meerblick und dem Barfuss-im-Gras-Gefühl doch wieder Frühlingsstimmung auf.

Abends lassen wir es uns nicht nehmen, wenigstens eines der sagenumwobenen Dörfer zu besuchen. Die zahlreichen Parkleitsysteme und die Hinweise auf die Buchungssysteme der Restaurants lassen erahnen, wieviel hier in der Hauptsaison los ist. Da wir definitiv zu bald im Jahr da sind, hält sich der Andrang noch in Grenzen und wir können in Ruhe die schöne Stimmung geniessen. Manarola ist nicht zu unrecht ein beliebter Instagram-Foto-Spot, der natürlich mit einem Campari-Spritz in der Hand noch besser aussieht.

Unseren vierten und letzten Mountainbike-Tag verbringen wir noch etwas nördlich der Cinque Terre, in einem kleinen Küstenort namens Levanto. Die Wahl fällt wiederum auf Grund der in Trailforks eingezeichneten Strecken auf dieses Gebiet. Und wir werden für unser Entdeckertum belohnt. Jeweils 500 Höhenmeter pedalieren wir an der Südseite und an der Nordseite der Bucht hinauf und entdecken zwei komplett gegensätzliche Trails. Den Singletrail auf der Südseite erreicht man über einen Höhenweg mit kurzen Tragepassagen und schießt dann die 500 Höhenmeter teilweise sehr steil und direkt, teilweise sehr flowig durch lichte Wälder nach unten bis direkt in den Ort. Der Trail auf der Nordseite ist eher felsig und etwas verblockt aber ebenfalls durchweg fahrbahr und mündet dann in einen alten Karrenweg, der wiederum auch bis nach Levanto führt.

Zwischen den beiden Auf-/Abfahrten darf etwas Dolce Vita natürlich nicht fehlen. Wir kehren in einer Focacceria ein, schlagen uns den Bauch mit Pasta und Focaccia voll. Die zweite Auffahrt des Tages ist Gott sei Dank die gemütliche Küstenstraße, das Fahrrad nach der Schlemmerei noch irgendwo hoch zu tragen, entspräche dann nicht unserem Level an Genuss. 

Dass Ines und Max ein ganzes Buch über die Trails der Toskana schreiben konnten, ist mir spätestens nach unseren vier Tagen Kurzurlaub an der ligurisch-toskanischen Grenze kein Rätsel mehr. Italien hat so viel mehr zu bieten, als Finale Ligure und das Vinschgau. Und dank Trailforks und den ganzen lokalen Initiativen und Bikern, lassen sich so bisher unbekannte Gegenden neu entdecken. Abseits der Touristenpfade bietet das Biken die Chance eine Gegend wie die Cinque Terre von einer anderen Seite kennen zu lernen, trotzdem mal kurz ins Insta-Leben hinein zu schnuppern, aber doch den Großteil des Tages auf Trails und bei Pasta in der lokalen Pizzeria zu verbringen. Dolce Vita und Lebensfreude somit inklusive.

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