Eine Skitour ist nicht immer blauer Himmel und Sonnenschein. Aber mit Teamwork kann man alle Situationen meistern.

 

Wochenende – Sonnenschein – Skitour. Stellt man sich immer sehr schön vor, die Landschaft geniessen, den Berg rauf laufen, am Gipfel sitzen und in die Ferne blicken. Gefühlt passiert das aber nur bei jeder 10. Skitour. Meistens landen wir dann doch irgendwo im Schatten, ohne Gipfel und ohne Pause oder verstecken uns in einer Senke vor Wind und Wetter.

Morgens ist einer von uns immer fitter, der macht dann Kaffee und bringt Schwung in den Tag. Schon hier startet die Teamarbeit. 

Die Tourenwahl ist ebenfalls immer gemeinsame Entscheidung.

Wir versuchen heute die Modetouren zu meiden und entscheiden uns für eine Tour, die wir vor zwei Jahren entdeckt haben und bei der wir sicher sind, dass es kaum Spuren geben wird. Tatsächlich war noch gar niemand da gewesen, das heißt wir müssen erst einmal  500 hm durch eine steile Waldstufe spuren. Sprich unseren eigenen Weg anlegen, mit sehr vielem Spitzkehren (=anstrengende Kurven). Der Erste geht vor, er hat je nach Schneehöhe und Festigkeit den härtesten Job. Im Team ist es auch hier wieder leichter, man kann sich zur Spuranlage abstimmen und sich mit dem Vorlaufen abwechseln.

Nach der Waldstufe öffnet sich der Blick, ein riesiges, schattiges Kar liegt vor uns. Der Wind pfeift uns auf der freien Fläche um die Ohren. Immer weiter ziehen wir unsere Spur den Berg hinauf. Die -7 Grad, die uns heute vorausgesagt wurden, sind durch den Wind als gefühlte Temperatur nochmals deutlich kälter und zehren an unserer Kraft.

Als wir das erste Mal hier waren, vor zwei Jahren, lag hier auf jeden Fall mehr Schnee. Die Landschaft verändert sich mit jedem Schneefall. In dem schattigen Kar hat man heute sehr schlechte Sicht, kann auf Grund der Weite und Monotonität der Schneedecke die Steigung nicht abschätzen. Kapuze auf, Brille auf, immer weiter. Rund um uns der Wind und diese Eiseskälte.

In so einem großen, weißen Feld, umgeben von hohen Felswänden, wird einem bewusst wie klein man ist. Der Wind setzt uns immer mehr zu, wir wollen aber lieber schnell hoch und verzichten darauf uns mehr anzuziehen. Fast an der Scharte angelangt, ragen viele massive Felsen aus dem Schnee und versperren uns den Weg zu unserem eigentlichen Ziel. Die Finger in den dünnen Handschuhen sind eiskalt. Ohne viel zu reden und wirklich zu pausieren, fellen wir ab, ziehen uns an und beginnen die Abfahrt.

Auf halber Strecke nach unten, sind wir nicht mehr ganz sicher welche der Schneisen wir nehmen müssen. Das letzte Mal sah das doch ganz anders aus. Das Abfahren durch die weiße, monotone Landschaft hat noch dazu unsere Sinne ein bisschen durcheinander gebracht. Die fehlende Pause und die Kälte rächen sich – Teammitglied 1 schwächelt, setzt sich in den Schnee und kann einfach nicht mehr – alle Kraft aufgebraucht. So etwas kennt Teammitglied 2 von Lisa eigentlich nicht, was den Ernst der Lage gut beschreibt.

In solchen Situationen muss man dann die Ruhe bewahren. Wenn einer auf anstrengenden Touren ein bisschen schlapp macht, stellen sich bei uns immer wieder die gleichen Ablaufmuster ein. Der Andere ist auf einmal ganz stark – egal ob ihm vor zwei Minuten noch fast die Finger abgefroren sind und er aufgrund von Sicht- und Zuckermangel sehr wacklig auf den Skiern stand. Der Teampartner reißt sich zusammen und kümmert sich um die Nummer 2. Bringt Ruhe rein, verteilt Kekse, verschafft sich einen Überblick über Auswege aus dieser Situation. Egal ob wir in Peru in einem Canyon sitzen und ein Teammitglied einen Hitzekollaps bekommt oder an einem Traillauf teilnehmen und der Eine nach 5 km (von 28) feststellt, dass er wohl  davor doch zu wenig gegessen hat J. Der Zweite übernimmt in diesen Momenten nahtlos die Führung und gemeinsam kommt man unbeschadet ans Ziel.

Nach den Keksen ist die Welt auf jeden Fall schonwieder viel besser. Wir entscheiden uns für die richtige Schneise, überwinden noch einen 3 Meter hohen Felsabbruch, von dessen Existenz wir wussten, der aber noch deutlich zu wenig Schnee abbekommen hat und schaffen es die Abfahrt noch zu geniessen – im Tal wartet die Sonne.

Ein Hoch auf die Teammitglieder – egal ob es der Beziehungspartner oder eine gute Freund*in ist.

Übrigens: Egal wie sehr man gelitten hat, nach 5 Minuten Pause im sonnigen Tal hat man wieder vergessen, dass es doch gerade eisig kalt war und man plant, beim Anblick der hohen weißen Gipfel, die nächste Skitour mit blauem Himmel und Sonnenschein.

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