85 km Singletrail quer durch den Regenwald der Westküste Neuseelands. 

Das Besondere an diesem Weg ist, dass es ihn bis 2014 gar nicht gab.

Es gab nur eine alte Karte aus der Zeit des Goldrausches um 1870 herum. Diese Karte hat einen theoretischen Weg beschrieben, der sich von der Minenstadt Lyell in die 85km entfernten Minen von Seddonville über Bergrücken und durch den Regenwald zog. 

 2007 fiel diese Karte dem Wirt einer Lodge, einer kleinen Herberge, welche sich am Ende dieses vergessenen Weges befindet, in die Hände. Und er, sowie ein paar Kumpanen, fanden die Idee den Weg wiederherzustellen so verlockend, dass sie auf eigene Faust angefangen haben zu erforschen wo der Weg zu erahnen ist, um anschließend diese ersten Stücke freizulegen.

Die Anfangsstücke des Weges wurden bereits zu Zeiten des Goldrausches angelegt, waren jedoch lange vergessen, bzw. wurden durch gewaltige Erdbeben teilweise zerstört und sind wieder zugewachsen. Allerdings war der große Teil dazwischen einfach nicht existent – theoretisch war er auf der alten Karte zwar beschrieben, aber die Wege wurden scheinbar nie angelegt. Auf Grund der Steilheit des Geländes sowie der Wildheit und der Vielzahl an Flüssen und Bachläufen schien eine Umsetzung auch 2007 noch nahezu unmöglich. 

Zu unserem Glück, also aus Sicht des reisenden Mountainbikers, haben sie das Unmögliche möglich gemacht. Nach 7 Jahren harter Arbeit und vielen bürokratischen und finanziellen Hürden, wurde der schlussendlich 7 Millionen Neuseelanddollar teure Trail eröffnet und seitdem wird er bewandert und befahren. Den finanziellen Wendepunkt hatte übrigens herbeigeführt, dass die Strecke nicht nur für Wanderer, sondern auch explizit für Mountainbiker ausgebaut werden sollte – die Old Ghost Road wurde damit offiziell Teil des „New Zealand Cycle Trail Projects“ und konnte somit nochmals bedeutend besser finanziell unterstützt werden.

Wenn wir jetzt deine Aufmerksamkeit haben, möchten wir versuchen Dir den heutigen schmalen Pfad durch die Berge und Regenwälder der Westküste Neuseelands zu beschreiben. Der schmale Trail schlängelt sich zu Beginn durch dichten Regenwald und Stück für Stück nähert man sich alpinerem Gelände. Die ersten 1000 Höhenmeter sind gleich zu beginn der Tour zu meistern, aber der Weg ist so angelegt, dass er immer gut fahrbar ist und mit einer sanften Steigung nach oben führt.

Entlang der Strecke bekommt man immer wieder einen Einblick in die Vergangenheit. Alte Bergwerksutensilien, Schuhe, Helme und sogar Teekessel sind immer noch entlang des Weges zu entdecken. Mittlerweile auf mystische Art vermoost und verrostet – sind sie Zeugen einer lang vergangenen Zeit.

Hat man die ersten 1000 Höhenmeter geschafft man erreicht die Baumgrenze und es öffnet sich die Landschaft eine karge, alpine Landschaft. Hier oben entlang des Bergkammes wurde der Weg über mehrere Kilometer regelrecht in den Fels gehauen. Am Ende des steinigen Pfades erreicht man die Ghost Lake Hut – das perfekte erste Etappenziel.

Tag Zwei startet mit einer langen, teils technischen Abfahrt durch einen verwunschenen Wald. Hat man die fahrtechnischen Schwierigkeiten hinter sich, wird allerdings nicht verschnauft, denn nun ist Kondition gefragt. Vorwiegend verläuft der Trail zwar bergab, aber er ist lang und die Abfahrt wird regelmäßig durch anstrengende Gegenanstiege und lange Geraden unterbrochen. Die Landschaft wechselt von Bergkämmen und dichten Wäldern nun hin zu offenen Flächen mit kleinen Bachläufen und Büschen. 

Das große Finale ist schlussendlich die Fahrt entlang des Mokihinui Flusses. Das Gelände zeigt hier seine wahre Wildheit und den Anspruch an die geleisteten Wegarbeiten. Durch Erdbeben entstandene Schluchten und wilde Bäche mussten mit baulichen Maßnahmen überwunden werden. Insgesamt quert man entlang des Mokihinui 21 Brücken, ohne die eine sichere Querung nicht möglich wäre. Vor allem im letzten Abschnitt radelt man über Hängebrücken direkt am Schlucht-Rand, wild tosendes Wasser unter sich.

Abschließend gibt es noch einen persönlichen Tipp. Wer dieses kleine Abenteuer angehen möchte, plant am besten 3 Tage ein und bucht zwei Übernachtungen auf einer der fünf Selbstversorgerhütten. Es wäre auch möglich den Trail in einem einzigen Tag zu radeln, um aber das „Drumherum“ voll auszunutzen, macht mindestens eine Übernachtung Sinn.

Der Charme der Hüttenübernachtung liegt entlang der Old Ghost Road darin, dass die Standorte wahrlich atemberaubend liegen. Unsere erste Nacht auf 1200 Metern in der Ghost Lake Hut bot alpines Terrain – und theoretisch, ohne Schlechtwetter – unglaubliche Ausblicke. Zudem gab es zur Entschleunigung keinen Handyempfang und dichten Regenwald unter uns so weit das Auge reicht. Unser zweites Etappenziel war die Specimen Point Hut, eine wieder top ausgestattete Hütte direkt über der beeindruckenden Schlucht des Mokihinui River.

Die Wettervorhersage zu unserem gebuchten Termin war typisch neuseeländisch wechselhaft bis gruselig. Bereits auf halber Strecke zu unserem 1. Etappenziel erwischt uns das Unwetter. Die restlichen 2 1/2 Tage kämpfen wir uns durch Wind und Regen. Nach unserer ersten Nacht ist die Kleidung schön am Ofen getrocknet, nach 10 Minuten auf dem Trail sind wir allerdings wieder vollkommen durchnässt.

Rückblickend können wir wieder einmal sagen, „Wind und Wetter schafft es aus jeder Tour ein Abenteuer zu machen“.

Besonders die zweite Übernachtung oberhalb der Schlucht ist auf Grund der Verhältnisse ein eindrucksvolles Erlebnis. Die wahre Ernsthaftigkeit der Situation, das wir nicht in zwei gewöhnliche Regentage, sondern in ein echtes Unwetter geraten sind, begreifen wir erst am Ziel in Seddonville. An der Westcoast gab es während wir auf dem Trail unterwegs waren mehrere Murenabgänge, Straßen mussten gesperrt werden. Am Strand in Westport sehen wir am nächsten Morgen was der Sturm und vor allem der Fluss alles ins Meer gespült hat. Meterdicke Baumstämme liegen am Strand verteilt. Unser Auto können wir erst mit einem Tag Verspätung am Ausgangsort abholen – auch diese Straße war auf Grund der Überschwemmungsgefahr gesperrt.

An der Westcoast angekommen gehen wir damit aber eher gelassen um – in einer kleinen Craft Beer Brewery lassen wir unser Abenteuer Review passieren und testen uns durch die local brews.

Die Old Ghost Road ist immer ein Abenteuer. Egal ob mit schöner Aussicht und Sonnenschein oder mit Regen und Nebel. Die ganze Geschichte rund um den Bau des Trails kann man in einem kleinen Buch nachlesen, von welchem in jeder der Hütten ein Exemplar liegt. So hat man jeden Abend eine sich fortsetzende Gutenachtgeschichte vor sich.

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