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Eine Skitour, die es in sich hat. Mittlerweile schon nicht mehr im aktuellen Skitourenführer zu finden, führt diese Route einmal rund ums Rubingerhorn. 

Auf der Strecke zieht man vier Mal seine Felle auf und ab und fährt teils rasante Nordhänge ab.  

 

Wir starten in der früh bei klirrender Kälte mit zwei Autos in Richtung Oberstdorf. Einen der zwei Wagen lassen wir im kleinen Ort Rubi stehen und fahren gemeinsam weiter an die Talstation des Nebelhorns. Hier startet unser erster und in Bezug auf die Höhenmeter intensivster Aufstieg.

Auf ca. zwei Drittel des Weges verlassen wir die breite Piste und biegen in die verlassenen Hänge hinter dem Trubel ab. Der Start gestaltet sich aufgrund teils starker Windböen etwas zahnig. Bei Spitzkehren entscheidet meist der Wind, ob der Ski  locker mit um die Kurve kommt, oder man mit einem händischen Eingreifen den Ski in die richtige Position drehen muss.

Mindestens ebenso anspruchsvoll sind die vereisten Querungen auf der schmalen Spur entlang der steilen Hänge. Der Talski hat über lange Abschnitte 2cm zum Aufliegen, der Bergski kommt immerhin auf satte 4cm Platz für Fell und Kante. Aber mit etwas Ruhe und Nervenstärke entkommt man Schritt für Schritt dem eisigen Untergrund. Die nächste windige Hürde ist der eiskalte erste Gipfel. Hier bläst der kalte Wind von allen Seiten und treibt Einen zur Eile an.

Doch hat man sich abfahrtsbereit gemacht, kann man auf einen Blick schon erahnen, dass man gleich für die Strapazen entlohnt wird. Feinsten Pulverschnee hält der folgende Nordhang für uns bereit und neben den sechs Spuren, die dieser Hang bisher gesehen hat, liegt noch genug Potential um in den Freeridemodus zu gelangen und die Abfahrt in vollen Zügen zu genießen.

Das Einzige was sich ein klein wenig in die Freude der Abfahrt mischt ist der Blick auf einen steilen Südhang den wir gleich hinaufsteigen müssen. Es ist aber nicht die Anstrengung des Bergauflaufens, die uns grübeln lässt, sondern die Unsicherheit über die Steilheit und den Anspruch des Aufstiegs. Man sieht aus unserer Position direkt auf die Aufstiegsspur, die sich in einigen wenigen Spitzkehren den Bergrücken hinaufzieht, um dann in einer Tragepassage zu enden.

Das Spannende ist ob sich der Aufstieg wirklich als steil, oder wie es oft der Fall ist, als deutlich flacher herausstellt sobald man direkt vor dem Aufschwung steht.

Unser Hang entpuppt sich als “irgendwas in der Mitte”. Die Spitzkehren lassen sich locker nach oben marschieren und auch noch die Tragepassage durch den Schnee ist zwar steil, aber locker machbar. Spannender wird es im abgeblasenen grasigen Teil des Aufstiegs. Hier greift die Sohle des Schuhs kaum im Untergrund, so muss man teilweise mit den Händen ausgleichen und darf dabei seine Ski nicht verlieren. Dieses Mal kommen wir immerhin nicht frierend, sondern eher leicht verschwitzt an der Scharte an – Zeit für eine Mittagspause.

Von hier oben erblicken wir auch direkt unsere nächste Abfahrt und unseren langgezogenen Weiterweg Richtung Entschenkopf.  

Was nun folgt ist eine steile Abfahrt durch einen schattigen Nordhang mit extrem gutem Schnee. 

Anschließend ziehen wir erneut unsere Felle auf und machen uns auf zu einem langen Marsch in Richgung Entschenkopf. Den Gipfel selbst lassen wir allerdings auf Grund von einer unsympathischen Wechte und extremen Windböen aus. Der Weg ist aber in diesem Fall sowieso das Ziel. Der Wind hat den Schnee über kleine Tannen gewirbelt und so drapiert, dass wir  nun durch ein kleines Wintermärchen stapfen. Die Sonne und der blaue Himmel tragen ebenfalls noch fleißig dazu bei, diesen Abschnitt der Tour zum Wellnessteil und Vitamin D-Kur zu erklären. 

Dem erste Teil der Abfahrt vom Entschenkopf hin zur nächsten Scharte hat leider eben diese Sonne zu einem ordentlichen Harschdeckel verholfen und die Richtungswechsel werden zum Kraftakt. Allerdings biegt man bei unserer Rundtour zeitnah links über eine Kuppe ab und bekommt als Entschädigung drei aufeinanderfolgende kurze Nordhänge mit feinem Pulverschnee. 

An dieser Stelle sei erwähnt, dass es fast bei jeder Einfahrt zu diesem feinen Pulverschnee immer eine Passage gibt, auf der aufgrund von abgerutschtem Schnee ein unebener eisiger Untergrund im Steilgelände zu überwinden ist. Diese Stellen erfordern wirklich gutes Fahrkönnen und Nervenstärke. Anspruchsvolle Skitouren sind selten reines Vergnügen, sondern sind auf Grund von extremem Wetter und teils gefährlich wirkenden und auch real gefährlichen Passagen psychisch eine Herausforderung, die an den Kräften zehrt.     

Nach dieser letzten Abfahrt folgt ein kurzer, gemütlicher Aufstieg Richtung Falkenhütte. Und nachdem wir seit unserem Abzweigen von der Nebelhornpiste mehr oder weniger alleine unterwegs waren, sind wir auf einmal wieder mitten drin, im Allgäuer Skitouren-Trubel. Kein Meter ist mehr unverspurt, da vom Parkplatz in Rubi eine beliebte Skitour auf den Schnippenkopf, oberhalb der Falkenhütte führt. Die Hänge wären, wenn unverspurt, sicher auch nochmals purer Genuss. So geniessen wir aber eher die einsetzende Abendstimmung. Nach 1800 Höhenmetern ist es schön wieder gut im Tal anzukommen.

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