Wenn man an Portugal denkt, kommen einem Begriffe wie Surfen, Atlantik, Portwein und vielleicht noch Fußball in den Sinn. Dass Portugal aber auch für uns „Bergsportler“ so einiges zu bieten hat, entdecken wir gerade Stück für Stück.

Aktuell leben wir für drei Monate in Portugal. Unser Ziel ist, unsere Produktion hier gezielt aufzubauen, Land und Leute noch besser kennen zu lernen und ein Gefühl für dieses Land zu bekommen, in dem wir die nächsten Jahre unsere Kleidung produzieren lassen möchten. Dabei bedeutet „Leben“ für uns natürlich auch hier, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu wahren und das Land auf unsere Art sportlich kennen zu lernen.

Die Textilindustrie befindet sich in Portugal im Norden des Landes, rund um Porto. Die meisten Nähereien und somit auch unsere Partner sind dabei nicht direkt am Meer angesiedelt, sondern in den hügeligen Gebieten rund um die Städte Barcelos, Braga und Guimarães. Fährt man dann noch etwas weiter Richtung Nordosten wird die Landschaft immer karger und die Hügel werden zu Bergen.

Das schöne an unseren Sportarten ist, dass sie so individuell anpassbar sind an die jeweiligen landschaftlichen Gegebenheiten. In den Hügeln rund um Barcelos haben wir direkt nach einem Termin mit unseren Mountainbikes kurze Feierabendtrails entdeckt, in einem anderen Waldgebiet liegen große Boulderblöcke. So lassen sich die persönlichen Termine bei den Nähereien und Stofflieferanten mit einer kurzen Feierabendrunde auf dem Trail oder einem Abstecher zum Bouldern kombinieren.

Das Mountainbiken ist unabhängig von der Art des Trails auch ein verbindendes Element. Einer unserer Partner hat uns schon vor einem Jahr erzählt, dass er auch ein Mountainbiker ist. So bietet uns der Sport, wie auch schon vor zwei Jahren in Neuseeland, wiederum die Möglichkeit Land und Leute besser kennen zu lernen. Tiago ist 33 und voller Elan in den Hügeln rund um seine Heimatstadt mit dem Bike unterwegs. Er nimmt uns samstags mit auf seine Hausrunde, die immer damit endet, dass man bei seiner Familie zu Hause einen Nachmittags Snack einnimmt. So wie die Engländer ihre Tea-Time haben, gibt es in Portugal für den 16 Uhr Snack einen Namen – lanchar. Beim lanchar lernt man innerhalb kürzester Zeit mehr über ein Land, als aus jedem Reiseführer. Zum Beispiel wie man gekochte Lupinen richtig isst, wie die aktuellen Wohnungspreise sind und auch welche Ideen unsere Generation in Portugal bewegen. Bis auf die Lupinen scheinen die aktuellen Themen alle sehr ähnlich zu sein wie bei uns 😊

Eine Besonderheit hat Portugal: Portugal ist ein wahnsinnig freundliches und hilfsbereites Land. Wenn man nach einer Feige von einem Baum in einem privaten Garten frägt, kann es passieren, dass man einen ganzen Sack voller Figos geschenkt bekommt. Diese Mentalität haben wir bis jetzt überall entdecken können, auch wenn die Sprachbarriere aktuell noch etwas hinderlich ist.

Sehr portugiesisch ist auch, dass es auf jedem zehnten Hügel oder Berg eine Kapelle oder ein riesiges Kreuz gibt. Die Kapellen sind immer in tadellosem Zustand, umringt von Picknickbänken für den Ansturm am Wochenende. In der Regel sind die Kapellen – da am höchsten Punkt der Hügel – auch die Ausgangspunkte für Mountainbiketrails bzw. oftmals auf bzw. in der Nähe von Felsen. So auch in der Serra de Passos, dort thront ein riesiges weißen Kreuz auf dem Felsen. Meistens sind die Straßen zu den Kapellen und Aussichtspunkten geteert, teilweise aber auch nur Dirt Roads. Und wenn man Pech hat, sind es sehr ausgewaschene Dirt Roads.

Wir haben uns zwischendurch einen Tag frei genommen, um Richtung Hinterland zu fahren und das Sportklettergebiet Serra de Passos zu testen. Da laut Google der Zustieg nicht nach einer geteerten Straße aussieht und auch im Kletterführer keine eindeutigen Infos enthalten sind, entscheiden wir uns für einen Zustieg per Fahrrad. Im Nachhinein war diese Entscheidung goldrichtig. Sobald man nicht mehr in der Nähe der Städte ist, wird die Landschaft karger und die Infrastruktur weniger. Die Dörfer werden immer kleiner und liegen weiter auseinander, Supermärkte gibt es nur mehr in den Städten – eigentlich auch wieder sehr ähnlich zu Deutschland und den nicht so touristischen, ländlichen Ecken bei uns zu Hause.

Das Klettergebiet selbst ist eine schöne Mischung aus gut eingebohrten Routen und der Option – dort wo möglich – selbst abzusichern. Das Gestein ist geschichtet und teilweise leuchtend gelb mit Flechten überzogen.  An den Felsen selbst sieht man wenige Spuren der Kletterer, hier ist der Hype ums Klettern noch nicht so angekommen wie bei uns im Allgäu. Von oben hat man einen Ausblick über die gesamte umliegende, hauptsächlich forstwirtschaftlich genutzte Fläche. An den Hängen werden großflächig Kiefern angebaut. Im Tal sehen wir zum ersten Mal „Maroni-Plantagen“. Auf der kargen, rotbraunen Erde wachsen in Reihe gepflanzte, kleine Maronen-Bäume.

Der Ausflug ins Hinterland hat eine unbekannte Seite Portugals gezeigt, eine Seite die aber ganz in unserem Sinne ist. Auf der Suche nach Klettergebieten und Biketrails entdecken wir oftmals „sehr echte“ Ecken und kommen in Regionen abseits des Mainstreams. Irgendwann trauen wir uns aber bestimmt auch noch an den Atlantik heran.

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