0
0 Ausgewählte Artikel
Seite wählen

Unsere Zeit in Portugal haben wir vor allem im intensiven Austausch mit unseren Produzenten verbracht. So erhielten wir die Gelegenheit beim kompletten Prozess unserer Kordhosen-Produktion dabei zu sein: Vom Zuschnitt über die Näharbeiten bis hin zum Färben haben wir alle Arbeitsschritte begleitet.

Unser Kordhosen-Stoff, ein Bio-Baumwoll-Gewebe, wird aus Deutschland in seiner natürlichen Farbe angeliefert. Zu Beginn liegen also erst einmal sehr unspektakulär ein Haufen weißen Stoffrollen zur Bearbeitung bereit. Vor dem Zuschnitt müssen die Stoffrollen abgerollt werden und erst einmal ruhen. Danach erfolgt der Zuschnitt mit elektrischem Schneidegeräten. Um hier zeiteffektiv zu arbeiten, werden viele Bahnen Stoff übereinander gelegt und möglichst viele Teile auf einmal zugeschnitten. In der ganzen Näherei stapeln sich im Nachgang die jeweiligen Einzelteile, fein gebündelt und ordentlich sortiert.

Jene Einzelteile, auf denen sich ein Stick befinden soll, werden vor den Näharbeiten bestickt. So sind sie einfacher in die Stickmaschinen einzulegen. Danach werden die Hosen zusammengenäht und bereits mit den ersten Extras, wie zum Beispiel den Labels, versehen.

Für jede Produktion gibt es einen ausgeklügelten Plan, wer in der Nähreihe welche Arbeit erledigt. Dazwischen wird durch Carlos immer wieder die Qualität geprüft. Carlos ist unser Ansprechpartner für alle möglichen Detail-Rückfragen – er kümmert sich sozusagen um die technische Abwicklung. 

Nach den Näharbeiten werden die noch immer weißen Kordhosen in die Wäscherei gebracht. Wir konnten direkt beim Färbeprozess unserer Kordhosen dabei sein und erhielten einen Überblick über die einzelnen Arbeitsschritte. Für uns ist es immer ein langer Prozess eine Farbe auszuwählen, doch für die Färberei ist es ein noch viel längerer Prozess auch genau den gewünschten Farbton zu erreichen. Die Farbe wird noch per Hand gemischt, eine eifrige Labormitarbeiterin gibt uns Auskunft über den Prozess. So werden die Grundfarben genutzt und mehrere Mischungen getestet, bis zu 22 verschiedene Farbtöne werden kreiert. Jene beiden Farbtöne, die der Labormitarbeiterin dann am ähnlichsten zu unserem gewünschten Farbton erscheinen, erhalten wir als kleine, farbige “Stofffetzen” zur Freigabe – die sogenannten Labdips. 

Nach der Bestätigung der Farbe durch uns, kann der Prozess gestartet werden. In einer riesigen Halle befinden sich unzählige Waschmaschinen – unsere Kordhosen werden in einer Waschmaschine für 200 kg Last gefärbt. Die Maschinen sind unterschiedlich groß und auf diverse Maximalmengen ausgelegt, um möglichst effizient und sparsam arbeiten zu können. So wird vermieden, dass unnötig viel Energie und Wasser für zu kleine Mengen in den großen Maschinen verschwendet wird.

Während des Färbeprozess wird die riesige Waschmaschine nochmals angehalten, eine Hose heraus gezogen und die Farbechtheit geprüft. So könnte man im laufenden Prozess direkt nochmals nachjustieren und es kann vermieden werden, dass am Ende alles erneut gefärbt werden müsste. 

Die Wäscherei selbst ist ein wahnsinnig aufgeräumter und ordentlicher Betrieb. Alles hat seinen Platz und es werden nur modernste Wasch- und Trockenmaschinen genutzt, die energieeffizient arbeiten. Der Manager führt uns zur hauseigenen Abwasseranlage. Dort wurde vor kurzem eine neue Anlage installiert, auf die er besonders stolz ist. Der Einsatz einer derartigen Anlage stellt eine Neuheit im Textilbereich dar. Die Anlage wird normalerweise zur Entsalzung von Meerwasser genutzt, wurde aber entsprechend adaptiert, um Schmutzwasser noch effizienter komplett zu reinigen. Sie ist laut seiner Info eine der ersten Anlagen ihrer Art und wird nun hier getestet. Das Schmutzwasser durchläuft erst einige reguläre Reinigungsvorgänge in mehreren Becken, bis es dann schließlich über die Osmoseanlage final gesäubert wird. Die Wasserqualität, die am Ende erreicht wird, sei wohl laut den Untersuchungen besser, als jene von manchen in Plastikflaschen käuflichen Wassersorten.

Die nun farbigen Kordhosen werden für die Abschlussarbeiten wieder zurück in unsere Schneiderei gebracht. Überstehende Fäden werden fein versäubert, der Knopf wird angebracht und die Hosen werden in einem letzten Schritt genau unter die Lupe genommen und auf ihre Qualität geprüft. Danach werden sie gebügelt, verpackt und an uns geschickt.

Wieviel Handarbeit in einer einzelnen Kordhose steckt und wieviele Arbeitsschritte am Ende nötig sind, um ein Kleidungsstück in der Hand zu halten, zeigt immer wieder, dass man einem Kleidungsstück mit Wertschätzung begegnen sollte.

An unserer Schneiderei gefällt uns vor allem, dass es sich um einen Familienbetrieb handelt und immer eine gute Stimmung herrscht. In den letzten drei Monaten waren wir dort häufiger zu Gast und hatten mit vielen unterschiedlichen Mitarbeitern Kontakt. Wir wurden jedes Mal freundlich aufgenommen, saßen oft stundenlang in einem der Büros und besprachen die nächste Produktion. Die Näherinnen – zu 90% sind es Frauen, die die Näharbeiten machen – konnten wir dabei immer etwas beobachten. Hier ein kurzer Plausch, da ein freundliches Lächeln. Besonders einprägsam war unser letzter Besuch kurz vor Weihnachten, die Kordhosen waren gerade am Vormittag aus der Wäscherei eingetroffen.

Wir kamen in der Mittagspause, um etwas abzuliefern und unterhielten uns noch kurz mit der Inhaberin. Ein paar der Näherinnen gesellten sich zu uns, während wir über die neue Kordhosen-Farbe sprachen und das Waschergebnis lobten. Sie lauschten interessiert unserem Gespräch  und achteten besonders auf unsere Reaktion bezüglich Qualität und Aussehen der Produktion. Besonders fröhlich und stolz wurden noch die Hintergründe zum diesjährigen Weihnachtsbaum präsentiert. Unsere Schneiderei hat sich einen individuellen Weihnachtsbaum überlegt, einen Weihnachtsbaum der schön die Mentalität und Verbundenheit dieser kleinen Firma und seiner Mitarbeiter zeigt: Alle Mitarbeiter und Geschäftspartner durften ein Foto zur Verfügung stellen und aus Abschnitten von alten Stoffrollen wurden kleine Fotohalter gebastelt. Alle Rollen wurden auf einem aus Holz gebastelten Weihnachtsbaum angebracht. So sind auch wir Teil des Teams – direkt neben Kevin allein zu Hause 🙂

Unsere neusten Blogbeiträge

Keine Bergtour ohne Hütte – Wandern im Allgäu

Keine Bergtour ohne Hütte – Wandern im Allgäu

Holger hat eine Prämisse. Egal ob im Winter mit den Skiern oder im Herbst beim Wandern. Am liebsten werden die Touren so geplant, dass sich am Weg eine Hütte befindet. So haben wir das letzte Wochenende genutzt, um eine der letzten geöffneten Hütten in der...

Kleine Vercors-Durchquerung mit dem MTB

Kleine Vercors-Durchquerung mit dem MTB

Pläne schmieden ist gut und wichtig. Für unseren Kurzurlaub in Frankreich hatten wir geplant eine drei-tägige Vercors Durchquerung mit unseren Mountainbikes zu absolvieren. Von GRENOBLE bis DIE und mit dem Zug zurück, entlang der ausgeschilderten Route und in der...

Faszination Alpinklettern

Faszination Alpinklettern

Lisa war die letzten 5 Tage in diversen Wänden im Lechtal und im Wilden Kaiser unterwegs. Die Touren waren sehr unterschiedlich in ihrem Charakter - von langen Zustiegen in leere Täler bis zur Kletterei oberhalb der Autobahn war alles mit dabei. Mal viele Haken, mal...

EN DE PT