Eine Nacht in den Bergen ist etwas ganz Besonderes – und gerade im Winter hat es einen ganz besonderen Charme durch die Kälte mit den Ski zu einer Hütte zu laufen und eine Nacht in der Höhe zu verbingen.
Wir haben im Januar genau diese eine Woche erwischt, die sich jeder Skitourengeher wünscht: Neuschnee + kalte Temperaturen. Zudem ist noch ausreichend Unterlage vom Dezember vorhanden und das komplette Gauertal liegt eingefroren vor uns.
Alleine für diesen Anblick lohnt es sich schon aus der Haustür zu gehen. Unser Tour führt uns heute „sehr einfach“ über den Rodelweg durchs Gauertal als Zustieg hoch zur Lindauer Hütte. Wir starten noch im Sonnenschein, mit glitzernden Schneekristallen in der Luft, die Sonne verschwindet dann aber recht bald hinter der Drusenfluh-Gruppe und lässt das Tal und uns in die frierende, frühabendliche Stimmung eintauchen. Perfektes Timing – die Sonne wandert auf den umliegenden Gipfeln immer höher, das Licht wandelt sich in weiche Töne bis hin zu rötlicher Abendstimmung und wir spazieren durch dieses Winter-Wonderland.
Gleichzeitig mit den Leihrodeln und dem letzten Licht erreichen wir die Hütte. Wobei Hütte etwas irreführend ist. Die Lindauer Hütte wurde 2019 das letzte Mal renoviert und bietet mit ihren drei Gebäuden Platz für über 160 Personen. Die Zimmer sind neu, alles ist aus Holz. Es gibt gepflegte, schöne Waschräume, tiptop Trockenräume und alles ist modern und einladend. Für die Schlechtwettertage und jene die gerne geniessen wollen, gibt es sogar einen sehr gemütlichen Leseraum – der wird natürlich auch noch kurz getestet, die Sauna haben wir uns für unseren nächsten Besuch aufgehoben.
Doch dies mag nicht darüber hinweg täuschen, dass man trotzdem auf der Hütte ist. Man muss sich seinen Zustieg erarbeiten, gut ausgerüstet sein und sich dessen bewusst, dass es eben kein „Hotel“ ist, sondern man sich nach wie vor auf einer Hütte befindet. Ohne WLAN und viel Empfang. Geschlafen wird im Hüttenschlafsack und auch die üblichen Hüttenregeln gelten hier oben. Der Gastraum ist noch etwas älter und strahlt viel Geschichte aus, so ist man am Ende dann doch wieder am Berg angekommen und spürt den Hüttenflair in der gemütlichen Stube.
Die Lindauer Hütte als Tourenziel wurde uns schon mehrfach empfohlen. Neben den guten Tourenmöglichkeiten ist für uns die Speisekarte ein zusätzliches Auswahlkriterium😉. Wenn man schon eine bewartete Hütte auswählt (also nicht sein Essen selbst mit nach oben bringen muss wie auf WInterrräumen), dann sind wir schon eher die Feinspitze 😅. Und wer vegan/vegetarisch isst, hat es auf manchen Hütten dann doch etwas schwer. Die Lindauer Hütte sei da aber auf jeden Fall empfohlen, nicht nur was die Auswahl sondern vor allem auch die Qualität angeht. So wie letztes Jahr der bisher beste Hüttenkaffee an der Maighels Hütte (auch definitiv eine Blog-Tourenempfehlung) serviert wurde, rangiert die Lindauer Hütte nun kulinarisch sehr weit vorne auf unserer Best-Off Liste.
Wir lassen den Abend, so wie es sich gehört, mit ein paar Kartenspielen und alkoholfreiem Weizen ausklingen und verbringen auch noch etwas Zeit vor der Tür – wer bei einer Nacht in den Bergen nicht wenigstens kurz die Dunkelheit und den Nachthimmel geniesst, ist selbst Schuld.
Tags darauf ist wieder Sonnenschein angesagt – da wollen natürlich die perfekten Tourenkonditionen genutzt werden. Von der Sonne sehen wir zwar leider nicht sehr viel – wer guten Schnee will, bleibt in der Regel im Schatten – dafür freuen wir uns aber über unverspurten Pulverschnee. Die Tourenmöglichkeiten sind vielfältig und man kann sich je nach Bedingungen auf jeden Fall 2 Tage gut beschäftigen.
Die Lindauer Hütte sei somit jedem empfohlen, der gerne eine Nacht am Berg in sehr beeindruckender Kulisse verbringen möchte. Sie ist sehr einfach zugänglich und mit gerade mal 700 Höhenmetern und sehr geringer Steigung ist es wirklich eher ein Spaziergang. Dank der Rodelstrecke kann die Hütte auch erwandert werden, ist gut für Einsteiger geeignet und bietet gleichzeitig ambitionierten Tourengehern eine Vielzahl an Optionen. Sie lässt sich auch gut in mehrtägige Touren integrieren. Und wer würde sich denn schon über wahnsinnig leckeres Essen und eine schöne Hütte beschweren?
Aber Achtung, der Wirt warnte uns bereits, am Wochenende ist es brutal voll & meistens ausgebucht. Wer also ein bisschen flexibel ist, der wird die allseits propagierte und gesuchte Einsamkeit der Berge sicher noch besser zu spüren bekommen. 😅🎿🗻
Aber egal wie, so eine Nacht in den Bergen ist etwas ganz Besonderes und gibt ganz viel Kraft für etwaige anstrengende, zukünftige Tage. Deswegen – raus mit euch!
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