Vor einigen Wochen trafen wir auf einem unserer alpinen Lieblingstrails einen Mountainbiker, der uns einen Trail in den Lechtaler Alpen empfahl – mit dem Zusatz „wenn ihr euer Rad gerne tragt, gefällt euch diese Tour bestimmt“. Nach kurzem Kartenstudium zuhause war schnell klar, dass man aus dieser empfohlenen Ein-Tages-Tour anstelle des Rückweges mit Bus/Bahn auch eine Zwei-Tages-Tour machen kann – vom Lechtal ins Inntal und wieder zurück.

Über die Memminger Hütte sind wir dem Weitwanderweg E5 gefolgt und so vom Lechtal ins Inntal geradelt, bzw. eher gewandert – einen Großteil des Aufstiegs muss das Rad getragen werden.

Die ersten 400 Höhenmeter kann man noch gemütlich ins Tal pedalieren, aber ab der Materialseilbahn der Memminger Hütte schultert man das Rad für die nächsten 1100 Höhenmeter. Die Memminger Hütte erreicht man nach ca. zwei Drittel der Wegstrecke. Sie ist der ideale Ort um mal das Rad vom Rücken zu heben und die Schulterpartie zu entspannen. Nach 800 Höhenmeter Tragen schmerzt der obere Rücken nämlich schon gewaltig und da hilft nur eine Pause inklusive Kaspressknödelsuppe (die beste österreichische Hüttenspezialität).

 

Bevor die Frage aufkommt, warum man sich so etwas antut, hier die Erklärung: Es ist das Gesamtpaket aus Bergerlebnis, Anstrengung und dem Erreichen der Grenzen der eigenen Komfortzone.

Zudem werden durch solche Erlebnisse die Möglichkeiten für zukünftige Abenteuer ausgebaut. Beziehungsweise, die Komfortzone wird durch das Erreichen der eigenen Grenzen immer wieder ausgeweitet.

Wer das zu Ende denkt merkt, dass dies sicher auf lange Sicht zum Teufelskreis wird. Aber so ist das sportliche Dasein eben – von Abenteuer zu Abenteuer wird ein stetiges „Mehr an Erleben“ notwendig. 😊

Die letzten 300 Höhenmeter von der Memminger Hütte bis zur Scharte haben ein besonders alpines Flair. Lange Schuttfelder, letzte Flecken an Schnee, spitze Gipfel soweit das Auge reicht und ein wenig Kraxelgelände zum Schluss, lassen uns die Erschöpfung des Anstiegs vergessen und bringen uns gut gelaunt in die Scharte welche uns den Blick auf unsere Abfahrt eröffnet.

Die ersten 700 Höhenmeter bergab, sind teils gut fahrbar und teils absolut unmöglich zu fahren. Somit ist es zu Beginn eine Mischung aus Rollen und das Fahrrad über ausgewaschene steile Stelle heben. Aber etwas weiter unten geht der Fahrspaß los und führt uns über flowige Wege bis zum Zammerloch.

Am Zammerloch hat sich ein Bergbach tief in den Fels geschnitten und weit oberhalb wurde ein Weg beeindruckend nah am Abgrund in den Fels geschlagen. Teilweise sehr ausgesetzt, geht es auf einem schmalen Weg Richtung Tal. Obwohl die Abschnitte fahrtechnisch nicht auf dem höchsten Niveau spielen, macht der nahe Abgrund sie heikel und aus Sicherheitsgründen werden teilweise aus einfachen Trails Schiebepassagen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass wir die Tour als „Bike-Tour“ nicht weiter empfehlen würden. Die Trailsausbeute kombiniert mit den absturzgefährdenden Passagen stehen nicht im Verhältnis zu der langen Tragepassage.

Aber keine Sorge, wir sind heil unten angekommen und wir würden dieses Tages Abenteuer nicht missen wollen. Es fällt aber definitiv in die Kategorie „einmal gemacht, was erlebt und abgehakt“.

Als i-Tüpfelchen des ersten Tages geht es nun von Zams mit dem Zug in den Wintersportort St.Anton. Und dort, weil sowieso alles in einer gehobenen Preisklasse spielt, ins feine Wellnesshotel.

Sauniert und fast komplett erholt machen wir uns am nächsten Morgen auf zur zweiten Etappe unserer Tour. Unser Ziel ist die Leutkircher Hütte. Eine klassische DAV Hütte inmitten von grünen Almwiesen.

Der Aufstieg ist bewusst etwas gemütlicher gewählt, hat aber trotz dessen 600 Höhenmeter zu pedalieren und weitere 500 Trage-Höhenmeter.

Da Sonntag ist, kehren wir nach den ersten 500 Höhenmeter gleich mal in einer urigen Alpe ein und gehen den Tag sehr entspannt an. Auf der Tragepasage treffen wir auf etliche Wanderer, die uns gut gelaunt ausfragen wo wir herkommen und was wir vorhaben. Die Konflikte zwischen Wanderern und Radfahrern existieren nämlich eigentlich nur in den Medien und besonders nicht wenn man auf 2000 Höhenmeter unterwegs ist.

Wer auf der Leutkircher Hütte angekommen ist, sollte hier auf alle Fälle nochmals einkehren und den Ausblick auf die kommende Abfahrt auf sich wirken lassen. Solch einen Blick auf einen flowigen Singeltrail wird man nicht alle Tage haben.

Der erste Teil ist ein wahrhaftiger Flow-Genuss, nach unten raus wird es etwas technischer. Der Trail endet schließlich an einer Alpe im Talschluss und geht in einen Forstweg über. Diesen rollen wir mit Panoramaaussicht 20km zurück zu unserem Startpunkt, Stockach im Lechtal.     

Den Sommer noch im Kopf haben wir in Gedanken die langen Tage noch abgespeichert und können uns eigentlich nicht vorstellen, dass wir in die Dunkelheit kommen werden. Aber gleichzeitig haben wir mal wohlwissend, dass man sich derzeit leicht verschätzt, zwei Stirnlampen eingepackt.

Die Klettertour ist etwas alpin angehaucht - erst schlägt man sich weglos durch einen steilen Wald und Schrofen hinauf zum Einstieg durch. Das ist sehr typisch für den Zustieg zu einer Mehrseillängen Tour und wie immer istman nicht sicher, ob man hier überhaupt richtig ist, bis man den Standhaken samt Reepschnur aufblitzen sieht.

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