In Norwegen findet sich eine Vielzahl an Hütten, mit unterschiedlichen Bewartungskonzepten. In der Regel sind sie keine “Restaurants” in den Bergen, wie in den Alpen, sondern man bringt alles, was man benötigt, selbst mit. Ein Konzept, das uns besonders anspricht und uns bewusst immer wieder nach Norwegen bringt.

Die Norweger haben ein grundlegend anderes Hüttenkonzept, als wir es aus dem Alpenraum gewohnt sind, in ihren Bergen und Landschaften umgesetzt. Als Wanderer oder auch Bergläufer kann man die Hütteninfrastruktur nutzen – Gas, Feuerholz, Decken & Kissen sind vor Ort – gleichzeitig bringt man aber seine Verpflegung selbst mit. Ein bisschen vergleichbar mit unseren Winterräumen. Aber in der Regel superschön, gepflegt und großzügig ausgestattet.

Die Hütten sind dabei unterschiedlich groß. Bei unserem diesjährigen Norwegen Trip waren wir in der kleinsten Hütte, die wir je in den Bergen besucht haben – genau zwei Schlafplätze. Kurz danach haben wir in den Lofoten auf einer Hütte ünernachtet, mit 8 Schlafplätzen. Und wieder später hat uns unser 2-Tages Traillauf zu einer Hütte mit 16 Schlafplätzen geführt. Im Vergleich zu den Alpen allesamt winzig. Um Zugang zu den Hütten zu erhalten, waren dieses Mal drei unterschiedliche Konzepte angewandt. Die erste Hütte war offen&frei zugänglich. Die zweite durch einen Spezialschlüssel versperrt, den man bei der Touristeninfo der Region ausborgen durfte. Und auf Grund unseres dritten Hüttenbesuchs sind wir nun stolze Besitzer des offiziellen DNT-Nokkels, also des einheitlichen Schlüssels der ganz viele Hütten in Norwegen aufsperrt. 

Der DNT ist der norwegische Wanderverein, der einen Großteil der Hütten verwaltet und ähnlich zum deutschen Alpenverein auch den Neubau oder Renovierungen umsetzt. Wer mit dem Gedanken spielt in Norwegen auf Hüttentour zu gehen, kann sich auf der DNT-Seite bzw. bei UT.no bestens über die verfügbaren Hütten, die Wanderwege und auch die Klassifizierung der Hütte informieren. 

Vor allem im Süden Norwegens gibt es neben den unbewarteten Hütten nämlich noch ein weiteres, besonderes Konzept: Hütten, welche mit einem Vorratsschrank ausgerüstet sind. Man kann direkt vor Ort Pasta, Reis oder Konservendosen kaufen und so mit leichterem Gepäck wandern. Wer sich bald in den Süden Norwegens wagt, dem sei unser Bericht über die Melands Gronahei Hütte empfohlen – nach wie vor eine der schönsten Hütten, auf der wir je nächtigen durften!

Das Schöne an den Hütten ist, dass viele von ihnen auch im Winter zugänglich sind und mit Skiern bzw. den typischen norwegischen Fjellski erreicht werden können. Die Hütten werden in der Regel auch im Winter bestückt. Sprich Gas, Holz, etc. wird nicht wie bei uns mit dem Helikopter eingeflogen, sondern meistens per Skidoo im Winter antransportiert.

Und das Beste: Die neu gebauten Hütten werden nun schon immer mit Sauna gebaut. Das zaubert uns bei unserer Trailrunning Hüttentour zur Toralfsbu Hütte ein besonders breites Grinsen ins Gesicht. Angeheizt wird mit Holz. Und wer so wie wir etwas später ankommt, kann das Glück haben, dass die Sauna gerade die perfekte Temperatur aufweist und man einfach direkt reinspringen darf. Abkühlung gibt’s im nächsten Bach. Und dieses Sauna wird wahrscheinlich die schönste Sauna sein, in der wir je in unserem Leben gewesen sein werden.

Unsere drei Hüttentouren hätten unterschiedlicher auch nicht sein können. Tour Nummer 1 führt uns zur winzigen Pikhaghytta im Svartisen Nationalpark. Sie bietet genau zwei Schlafplätze, ist offen und kann auch nicht reserviert werden. Genutzt wird sie wohl von lokalen Jägern und Fischern. Umgeben von wilden Gletschern, liegt sie an einem kleinen Bergsee. Für uns das perfekte Ziel  für einer Wanderung durch ursprüngliche Landschaften und entlang eines Steiges, der weder markiert noch immer ersichtlich ist. Eindeutig kein viel besuchtes Ziel. Wir geniessen die Einsamkeit, kochen Kaffee, schwimmen im See.

Tour Nummer 2 führt uns ein paar Tage später bei Nieselregen und windigem Wetter zur Munkebu Hütte, im südlichsten Teil der Lofoten. Der Weg zur Hütte ist leicht zu Wandern, nur auf Grund der Witterung teilweise etwas rutschig. Wir wechseln mehrfach vom T-Shirt zur Regenjacke und der Wind zwingt uns am Ende, uns ordentlich einzupacken. Ursprünglich sah der Plan vor, am Folgetag den Hermannsdaltinden zu besteigen – einen der höchtsen Lofotengipfel. Der Wetterbericht belehrt uns aber eines Besseren. Den Abend verbringen wir wohl behütet, mit eingeheiztem Feuer, warmen Tee und dem draussen heulenden Wind in der Hütte – könnte schlimmer sein. Wir geniessen unseren Hüttenaufenthalt in vollen Zügen, spielen Karten und unterhalten uns mit den spät im Sturm auftauchenden Deutschen, die eigentlich Zelten wollten und sowohl Wetter als auch Anstrengung unterschätzt hatten. Am nächsten Morgen erklimmen wir  den namensgebenden Gipfel hinter der Hütte, den Munken. Eine vertretbare Tour bei dem Wetter. Danach verschließen wir pflichtbewusst die Hütte und wandern über ein paar leicht zu besteigende Gipfel zurück nach Reine um den Schlüssel abzugeben. 

Die beste Tour unseres Aufenthalts war Tour Nummer 3. Wir wollten testen, ob es nicht auch möglich wäre mit leichtem Gepäck und Trailrunning Schuhen los zu ziehen. Dazu will gesagt sein, dass Norwegen nicht immer mit vorhandenen Wegen glänzt und die Worte “Moor, Holzstege & sumpfige Wege” in fast jeder Beschreibung zu lesen sind. Während einiger versuchter Trailläufe mussten wir schon auf “Wandern” umstellen, da an “Laufen” einfach nicht zu denken war. 

Nichts desto trotz wählten wir eine Drei-Tages-Tour auf einer Nachbarinsel der Lofoten, Hinnoya. Mit der Option, falls es gut laufen würde an Tag 2 die Strecke des dritten Tages zu ergänzen und direkt zurück zum Ausgangspunkt laufen zu können. Also entweder eine oder zwei Übernachtungen. 

Gepackt haben wir möglichst leicht. Holger hat den perfekten Trailrunning Rucksack von Ultimate Direction für solche Touren. Mit seinen 25 Litern Packmaß haben wir ihn eigentlich für die Kamera gekauft, nun erweist er sich aber genau richtig für eine Mehrtageslauftour. Und Lisa …. muss mit ihren 10-Litern ganz schön haushalten.

In jedem norwegischen Sportladen erhält man Freeze-Dry Nahrung. Also ultrakomprimierte Nahrung, die nur mit heißem Wasser aufgegossen werden muss – mittlerweile gab es sogar schon vier vegane Optionen. Perfekt ausgerüstet mit diesen vier Packungen sowie jeder Menge Energieriegel , etwas Brot und Nüssen (Snacks sind das wichtigste für einen gemütlichen Abend!) legen wir los. Mit im Gepäck natürlich unsere warmen Merino Zips sowie ein Handtuch für die Sauna.

Tag 1 ist mit 12 Kilometern und 800 Höhenmetern überschaubar. Aber darf auch, wie oben beschrieben, nicht unterschätzt werden. Die Wege sind schmal, teilweise verblockt und 12 Kilometer ziehen sich dann schon auch. Aber die Landschaft ist natürlich wie immer in Norwegen einfach unbeschreiblich schön und abwechslungsreich. Wir starten an einem Fjord am nördlichen Ende der Insel. Erst laufen wir durch ein kleines Moorgebiet, dann geht es steil hinauf auf eine Hochebene. Es wird felsiger, einsamer. Wir queren noch ein paar Moorfelder, laufen entlang von Seen und sind umgeben von felsigen Hügeln. Und treffen nicht einen Menschen. 

Und dann erreichen wir die Hütte. Alle anderen Übernachtungsgäste sind schon da und haben die Sauna perfekt eingeheizt. Wir sind die einzigen Ausländer und im Laufe des Abends werden wir uns mit allen unterhalten und wieder einmal bemerken, warum solche Hüttentouren einen zusätzlichen Mehrwert haben: Wenn man mit dem Bus reist, ist es gar nicht so leicht Anschluss zu finden und Einblicke in die Kultur vor Ort zu bekommen. Doch auf einer Berghütte mit 16 Schlafplätzen will jeder mit jedem sprechen. Lisa unterhält sich ewig mit dem norwegischen Bergwachtler Bjorn übers Mehrseillängen Klettern und Skitouren in den Lofoten. Holger erklärt einem Fischer, warum wir zuhause vegan leben und welchen Ansatz wir im Leben verfolgen. Irgendwann wird es spät und um halb 1 fallen wir müde ins Bett. 

Am nächsten Morgen ist schon emsiges Treiben in der Hütte. Man frühstückt gemeinsam, danach schnappt sich eine unserer Zimmermitbewohnerinnen den Besen und beginnt den Wohnraum zu fegen. Bjorn bringt das Abwaschwasser raus, ein weiterer Gast holt Frischwasser für die nächsten Besucher. 

Das ist mitunter einer der schönsten Aspekte des norwegischen Hüttenkonzepts: Die Hütten sind immer tiptop sauber. Jeder kümmert sich darum, dass sie gut erhalten bleiben und die Hütten immer so verlassen werden, wie man sie vorfinden möchte. Ausnahmslos. 

Ob das bei uns in den Alpen auch so gut funktionieren würde?

Für uns beginnt nach der Aufräumaktion Teil 2 der Laufrunde. Wir folgen weiter dem Weg über die Hochebene und laufen auf der anderen südlichen Seite des Landabschnitts zu einem anderen Fjord hinunter. Um dann 2 Kilometer weiter östlich die gleiche Anzahl an Höhenmetern wieder nach oben zu laufen. Bevor es nach oben geht, stärken wir uns mit Blaubeeren. Hier unten, auf Fjordhöhe ist gerade “high season”, alles ist voll mit dicken, dunkelblauen Beeren. Eine willkommen Abwechslung zu in Plastik abgepackten Energieriegeln. 

Wir erreichen wieder eine Hochebene, dieses Mal aber ohne erkennbaren Pfad. Wir folgen auf weichen “Polstern” den weithin sichtbaren Steinmännern, kontrollieren zwischendurch immer wieder auf der Uhr ob wir noch in die richtige Richtung laufen. Nach ein paar Stunden erreichen wir die nächste Hütte, Haakonsbu. Wieder schön gelegen, wieder mit Sauna und Seeblick. Gleichzeitig mit uns trifft ein in Norwegen lebender Deutscher mit seinem 6 jährigen Sohn ein, sowie ein norwegisches Pärchen, das wir schon vom Abend zuvor kennen. Sie sind die Runde in die vorgesehene Richtung gelaufen, so liegen nur ein paar Kilometer zwischen den Hütten (für all jene, die Interesse an einer Wanderung zu den Hütten haben🥾😃 – um die Runde fürs Berglaufen anspruchsvoller zu machen, haben wir die offizielle Route etwas angepasst).

Wir machen uns schnell eine Suppe und einen Kaffee und verbringen eine sehr kurzweilige Pause mit vielen Einblicken ins Norwegische Alltagsleben aus “deutscher” Sicht – wirklich jeder auf diesen Hütten ist immer für einen Plausch zu haben. Da wir nur mehr 7 Kilometer und wenige Höhenmeter zum Ausgangspunkt haben, wollen wir noch zurück laufen. Kurz nieselt es, doch wir machen uns gestärkt auf den Weg – zur Belohnung gibt’s einen riesigen Doppel-Regenbogen und dann erreichen wir am frühen Abend unseren Bus – sehr hungrig und sehr zufrieden.

UNSER FAZIT

Für diese Hüttentouren, egal ob mit schweren Bergschuhen oder light&fast, lohnt es sich immer wieder nach Norwegen zurück zu kehren. Die Einfachheit des Lebens auf der Hütte – das Feuer machen, Wasser holen und vor allem auch die schönen Begegnungen mit den Norwegern selbst sind jedes Mal wieder eine Bereicherung.

Wer es also noch nicht getestet hat, dem sei ein Ausflug nach Norwegen empfohlen – mit dem kleinen Hinweis, dass das Wetter wirklich sehr unberechenbar ist und wir dieses Jahr unseren kompletten Sommer gegen Spätherbst und Nieselregen getauscht haben – es braucht also auch etwas Durchhaltewillen bei Schlechtwetter 😃🌧️🙌.

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